Neuweier



Die Geschichte

Das Wappen

Die katholische Pfarrkirche St. Michael

Das Schloss











 
Die Geschichte                          
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Zeittafel zur Geschichte Neuweier mit Schneckenbach
 
Um 1200
Bau des oberen und vermutlich etwas später auch des unteren Schlosses durch die Ministerialen Röder von Hohenrod im Auftrag des Markgrafen von Baden.
1253 1. urkundliche Erwähnung des Ortsteiles Schneckenbach
1297 1. urkundliche Erwähnung von Neuweier (Negenwilre)
1311 Das Rittergeschlecht Bach von Kappelwindeck erwirbt das untere Schloß.
1329 Der Schlossadel des oberen und des unteren Schlosses stiften die Johanneskapelle, dazu eine Altarpfründe (Unterhalt für den Priester)
1383 Eine zweite Pfründe, die St. Antoniuskaplanei, wird gestiftet.
1434 Die Linie des Rittergeschlechtes Röder von Hohenrode endet.
1466 Das schwäbische Rittergeschlecht Stein von Reichenstein erwirbt durch Heirat Anteile vom oberen Schloss (Ganerbenburg).
1476 Beide Benefizien der Kapelle beim oberen Schloss werden vom Straßburger Bischof vereinigt.
1510 Die "Obere Mühle" wird urkundlich erstmals erwähnt
1525 Von Zerstörungen im Bauernkrieg ist nichts bekannt.
1538 Die Schwiegersöhne Ritter von Dalberg und Kronberg erben das untere Schloss.
1547 Kaiser Karl V. bestätigt dem unteren Schloss Freiheiten und Rechte. Das Schloss wird reichsunmittelbar.
1548/1549 Der Reichsadel von Dalberg und Cronberg erweitert das Schloss zum vierflügeligen Renaissance-Schloss.
1578 Der Grundherr Philipp von Dalberg tritt alle seine bisherigen leibeigenen Leute, zusammen 98 Personen, an den Markgrafen Philipp II. von Baden ab. Ausgenommen die Einwohner auf den 7 Dalbergischen Höfen und den 4 Häusern, die zum Schloss gehören. Sie werden ab diesem Jahr Dalbergische Leibeigene.
1579 Die Brüder Philibert und Georg von Stein, Besitzer des oberen Schlosses, bauen den Gewölbe-Weinkeller, heute "Rebstockkeller".
1615 Rheinhessischer Adel, von Eltz und Knebel von Katzenellenbogen erben das untere Schloss.
1634 und 1643 Im 30 jährigen Krieg (1618-1648) wird das untere und sicher auch das obere Schloss mitsamt den Mühlen und viele Häuser teilweise geplündert und auch verbrannt. Auch die Felder sind öde und verwildert.
1690 am 15. Septemberplündern und zerstören französische Truppen auf Befehl Ludwig XiV. (Sonnenkönig) unter Führung von Generalfeldmarschall Duras das gesamte Dorf. In der Schneckenbach bleiben nur 2 und in Neuweier nur 1 Haus stehen.
Der nördliche Flügel des unteren Schlosses brennt ab. Die Kapelle beim oberen Schloss wird ebenfalls niedergebrannt, wobei die Marienstatue unversehrt bleibt (Wunder von Neuweier). Ab diesem Jahr wird Neuweier Wallfahrtsort.
1778 Der Schlossherr Franz Knebel von Katzenellenbogen kauft das obere Schloss mit allen Besitzungen und wird damit alleiniger Grundherr von Neuweier. Damit endet das Geschlecht "Stein von Reichenstein".
1783 Das obere Schloss wird wegen Baufällichkeit abgerissen, der Schlossgraben mit dem Schutt verfüllt.
Freiherr Franz Philipp Knebel von Katzenellenbogen verpflanzt Niedersteiner und Laubenheimer Reben (Niederländer, Riesling) in seine Güter, die anschließend weiter verbreitet werden.
1816 Der letzte Grundherr von Neuweier stirbt und wird in der Ortskapelle vor dem Marienaltar begraben.
1848/49 In der Badischen Revolution beteiligen sich Neuweier unter Führung von Raimund Himmel, Sägewerkbesitzer und Ratschreiber.
1850 Ab diesem Jahr werden die Verstorbenen nicht mehr in Steinbach, sondern in Neuweier beerdigt.
1853 Bau des 1. Schulhauses (1945 zerstört)
1861 Neuweier wird selbständige Parrei.
1865 Die ehemalige Dorfkirche wird letztmals umgebaut bzw. erweitert
1894/95 Bau des Rathauses.
1912-14 Bau des 2. Schulhauses (Neue Schule)
1914-18 Im 1. Weltkrieg 53 gefallene.
1922 Gründung der Winzergenossenschaft.
1930 Bau des Winzerkellers
1939-45 Im 2. Weltkrieg 81 Gefallene und 36 Vermisste
1945 13. April - Neuweier wird von franz. Artillerie stark beschossen. 4 Tote und 2 Schwerverletzte, dazu zahlreiche Gebäudeschäden. Die Kirche, das Schul- und das Meßnerhaus werden total zerstört.
1951 3. April, Einweihung der neuen Kirche.
1957 1. Dezember: Zum 3. Mal werden neue Glocken geweiht. Sie waren jeweils im 1. und 2. Weltkrieg eingeschmolzen worden.
1964-65 Bau der neuen Schule mit Turnhalle.
1972 Eingliederung in die Stadt Baden-Baden.
1976 Bau des Sportplatzes
1992 Das Schloss wird von der Familie Joos übernommen und mit großem Aufwand renoviert.
 
Das Wappen                             
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Das Wappen der ehemals selbständigen Gemeinde Neuweier zeigt seit dem Jahr 1900 "in Silber drei grüne Trauben im Dreipass". Die Gemeindefarben sind grün und weiß (Weiß entspricht Silber). Der starke Bezug der Gemeinden unter der Yburg zum Wein und zum Weinbau spiegelt sich in diesem, vom Badischen Generallandesarchiv vorgeschlagenen Bild wider.
 
Die katholische Pfarrkirche
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Die Kirchengeschichte beginnt mit dem Bau der Johanneskapelle im Jahre 1329.
 
Die Herren Röder vom oberen Schloss und die Herren Bach vom unteren Schloss, sowie weitere fromme Leute stifteten am 13. Februar 1329 eine Kapelle zu Ehren Marias, des Hl. Johannes des Täufers und des Hl. Georg mit einer Pfründe für einen Priester.
1883 stiftete der Ritter Conrad Röder vom oberen Schloss eine zweite Altarpfründe in diese Kapelle zu Ehren des Hl. Antonius.
1467 wurden beide Kaplaneien vom Bischof in Straßburg vereint. Diese Kapelle blieb im Kern bis 1849 bestehen. Auch nach den Bränden von 1548 und 1690 wurde immer nur erneuert, bzw. repariert. Nach der Ortsvernichtung am 15. September 1690 im "Pfälzischen Erbfolgekrieg" war Neuweier Wallfahrtsort geworden und blieb es bis zum Beginn des 2. Weltkrieges. Mit den Jahrhunderten war das Pfründe-Vermögen immer weniger geworden und konnte einen Kaplan nicht mehr erhalten.
Der Schlossherr Franz Ludwig Knebel von Katzenellenbogen vom unteren Schloss erneuerte daher 1743 die Pfründe. Ab diesem Jahr wehte ein neuer Wind und der Kaplan war beständig anwesend. Er hielt während der Woche täglich Gottesdienst. An den Sonntagen mussten die Neuweierer jedoch weiterhin in ihre Stammkirche nach Steinbach. Erst ab 1821 hatte der Kaplan auch den gesamten Sonntagsdienst zu halten. Ausgenommen am Patrozinium, in der Karwoche und am Weißen Sonntag.
Bis zum Jahre 1850 wurden alle Neuweierer in Steinbach beerdigt. Bis 1861 wurde auch in Steinbach getauft und geheiratet.
Um 1800 war an die Kapelle eine Vorhalle angebaut worden.
Am 25. Mai 1816 verstarb der letzte Ritter und erste Grundherr von Neuweier Freiherr Philipp Franz von Knebel-Katzenellenbogen (Sohn des Franz Ludwig) unvermählt. Er wurde wunschgemäß in der Halle vor dem Marienaltar der Kapelle beigesetzt. Ab 1821 war die Kapelle zu klein für Neuweier. Der Ort hatte in diesen Jahren etwa 1000 Einwohner. Ein geplanter Neubau 1827, damals schon auf dem "Steinacker" (heutige Kirche) scheiterte. Auch die Gründung einer eigenen Pfarrei kam nicht zustande.
!848/49 wurde das Langhaus abgerissen und um 3,50m verlängert und zu beiden Seiten unwesentlich verbreitert. Am 3. Juni 1849 wurde der Grundstein gelegt und im gleichen Jahr eine zweite Glocke eingeweiht. Dieser Erweiterungsbau, der 10531.- fl kostete, war eine Fehlinvestition, denn die Kirche war immer noch zu klein.
Am 12. September 1861 wurde Neuweier eine selbständige Pfarrei. Jetzt gingen nur noch wenige Gläubige in die Kirche nach Steinbach. Die Einwohnerzahl war in diesen Jahren auf 1450 gestiegen. In diesem Jahr ging auch der "Steinacker" in Gemeinde-besitz über.
Wieder wurde geplant. Im März 1865 begann dann die größte und letzte Erweiterung der Kirche. Ein Teil des Kirchenschiffes und der Turm wurden abgebrochen. Im Dezember konnte das Kreuz auf den neuen Turm (27m) aufgesteckt werden. Auch die dritte Glocke wurde angeschafft.
1908 erhielt die Pfarrkirche 4 neue Glocken von Villingen. Im 1. Weltkrieg wurden die 1., 3. und 4. Glocke eingezogen. 1924 bekam die Kirche 2 neue Glocken, die dann im 2. Weltkrieg, bis auf die Kleinste, abgegeben werden mussten.
Seit dem 6. März 1862 steht die Kirche unter dem Schutz des Hl. Michael. St Johannes wurde der Ortspatron.
Am 13. April 1945 wurde diese Kirche durch französischen Artilleriebeschuss abbruch-reif getroffen. Die Turnhalle wurde Notkirche. Der sofort begonnene Wieder-aufbau der Kirche wurde noch 1945 vom ErzbischöflichenBauamt Freiburg gestoppt. Die französische Militärregierung erteilte noch 1945 die Genehmigung eines Neubaues auf dem "Steinacker". Das Landratsamt Bühl folgte im Februar 1946. In der sehr schwierigen Zeit wurde die neue Kirche auf dem Steinacker, auf dem Gelände des ehem. oberen Schlosses erbaut.
Am 3. April 1951 wurde die im Neuromanischen Stil erbaute Kirche durch den Erzbischof Dr. Wendelin Rauch eingeweiht.
Am 8. September 1952 wurde der noch auf 4 Pfeilern stehende alte Turm fachgerecht gesprengt.
Am 1.12.1957 erhielt die Kirche ein neues Geläute, 5 Glocken wurden eingeweiht.
 
Konrad Velten

 
Das Schloss
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Das Neuweierer Tal wurde etwa ab 1200 von zwei Tiefschlössern beherrscht. Die Yburg wurde im Auftrag des Markgrafen von Baden von den Ministerialen Roder von Hohenrod, (Stammsitz Brigittenschloss bei Sasbachwalden) um 1200 erbaut. Sie hatten damals für die Gebietsabsicherung der jungen Markgrafschaft von Backnang bis an die Südwestflanke hier zu sorgen.


Im Vorfeld dieser Festung wurden so zwei Adelssitze zur Sicherung und auch für die Nahrungsversorgung eingerichtet. Das obere Schloss, das heute verschwunden ist, stand an der Westseite der heutigen Kirche. Es dürfte etwa drei Jahrhunderte lang das wichtigere Schloss gewesen sein. Beide Tiefschlösser bestanden aus mächtigen Wohntürmen mit den ungefähren Grundmaßen 40 mal 40 Fuß, oder 12 x 12 Meter. Beide Schlösser waren mit breiten Wassergräben umgeben. Außerhalb lagen die Ökonomiegebäude, Stallungen, Keller und auch die Reb- und Ackerhöfe.
 
Das untere Schloss wurde im Jahre 1311 von den Rittern von Bach erworben, die es bis 1538 besaßen. Ihre Stammburg Bach lag zwischen Bühl und Kappelwindeck.
 
Das obere Schloss teilten sich vermutlich schon im 13. Jh. mehrere Familien der Röders. Im Jahre 1329 stiften vier Herren Röder vom oberen Schloss und 2 Herren von Bach, sowie ein Schildträger des Tales Neuweier, genannte Heinzmann Bube und weitere Edelleute eine Kapelle und einen Altar neben dem obere Schloss zu Ehren der seligsten Jungfrau, des Hl. Johannes des Teufers und des Hl. Ritters Georg.
1466 tritt ein schwäbisches Rittergeschlecht durch Heirat in die Geschichte des oberen Schlosses ein, die Stein von Reichenstein.
 
Das untere Schloss geht im Jahre 1538 an die Schwiegersöhne von Cronberg und von Dalberg über. Cronberg war ein eifriger Mitkämpfer von Franz von Sickingen. Die Dalbergs waren im damaligen Reich wohl bekannt. Beide Geschlechter zählten zum damaligen Hochadel.
1547 bestätigt Kaiser Karl V. die Freiheiten und Rechte des unteren Schlosses und damit war das Schlossgut reichsunmittelbar geworden.
Schon ein Jahr später 1548/49 lässt Philipp von Dalberg das Schloss in ein Renaissanceschloss umbauen. Dabei werden die Bach`schen Gebäude gekonnt integriert. 1598 wird erstmals eine Kapelle urkundlich erwähnt. 1615 stirbt der letzte Dalberg.
 
Conrad von Stein von Reichenstein, Sohn des Conrad Stein des älteren vom oberen Schloss war 1477 markgräflich badischer Obervogt zu Stollhofen und hatte in diesen Jahren alle Anteile des oberen Schlosses für sich in Besitz genommen.
Am 26. Juni 1521 verkauft Junker Conrad von Stein den gesamten Besitz mit dem Schloss an Conrad Knebler. Danach ging das obere Schloss an den Edlen Egidius über. In diesen Jahrzehnten der Reformation des 16. Jh. konvertierte die Familie Stein von Reichenstein zum lutherischen Glauben und schlug sich auf die Seite Straßburg und zum Markgrafen von Baden-Durlach.
1575 kauften die Gebrüder Philibert und Georg von Stein das obere Schloss mit allen Besitzungen zurück.
 
Das untere Schloss kam nach 1615 an die Schwiegersöhne Johann Knebel von Katzenellenbogen und Hans Wolf von Elz, ebenfalls rheinischer Hochadel. Nach dem Tod v
on Eberhard von Elz im Jahre 1725 erwarb der kurmainzische Hofmarschall und Geheime Rat Freiherr Franz Ludwig von Knebel käuflich die Besitzungen von den Erben von Elz.
 
1632 wurden beide Markgrafschaften B.-Durlach und B.-Baden von den Schweden überrant und besetzt. Friedrich von Stein vom oberen Schloss, vom Markgrafen B.-Durlach befördert und mit Gustav Adolf, König von Schweden bekannt, wurde zum Amtmann der Ämter Steinbach, Bühl und Großweier ernatt, unter der Führung des lutherischen Markgrafen Friedrich V. von B.-Durlach. In diesem Jahr konnte Friedrich von Stein das Obere Schloss mit allen Besitzungen an sich nehmen.
1634 wurden die Schweden vertrieben, die kaiserlichen besetzten beide Markgrafschaften. Der Markgraf von B.-Durlach floh im Oktober, die Familie von Stein floh im Dezember aus dem oberen Schloss nach Straßburg ins Exil.
Beide Schlösser litten unter der kaiserlichen Besetzung durch Plünderungen, Sachschaden und Brand.
1651, nach dem Ende des 30 jährigen Krieges 1648 und nach Abzug der Schweden 1650, kehrte Friedrich von Stein von Straßburg nach Neuweier ins obere Schloss zurück.
In Straßburg war er inzwischen zum Domkapitular des Bistums von Straßburg gewählt worden.
1666 stirbt Friedrich von Stein von Reichenstein im oberen Schloss und wird in Lichtenau, in evangelischer Erde beerdigt.
1690, am 15. September plündern und zerstören französiche Truppen im pfälzischen Erbfolgekrieg das gesamte Dorf. Der nördliche Flügel des unteren Schlosses brennt ab. Vermutlich geht auch das obere Schloss, wie auch die Kapelle, in Flammen auf.
1721 war Walrad Heinrich von Stein Besitzer des oberen Schlosses. Er war hoch verschuldet und musste Güter veräußern, worauf er kaiserliche Ahndungen auf sich zog.
 
1778 kaufte der Freiherr Franz Philipp
von Katzenellenbogen das gesamte obere Schloss mit allen Besitzungen. 1783 ließ er es wegen Baufälligkeit abreißen und den Platz einebnen. 1816 verstarb der letzte Grundherr von Neuweier und wurde in der Ortskapelle, der ehem. Kapelle des oberen Schlosses, vor dem Marienaltar beerdigt.
Nun erfassten auch das untere Schloss die Strudel der Geschichte. Mehrere Besitzerwechsel schadetem dem Gut beträchtlich.
1869 übernahm die Fam. Rößler von Baden-Baden das Schloss. Durch stilgerechte Umbauten, auch dem Wiederaufbau des zerstörten Nordflügels im Jahre 1909, gewann das Schloss wieder sein ursprüngliches Ansehen.
1992 wird das Schloss von der Familie Joos erworben und anschließend aufwändig und prächtig renoviert.
So hat das untere Schloss alle Wirren, ob politischer, religiöser oder einfach menschlicher Konflikte, glücklich die Jahrhunderte durchschritten und schreitet weiter in geschichtliche Zeiten.
Das obere Schloss hatte beim Durchschreiten der Jahrhunderte weniger Glück. Ab dem Ende des 16. Jh. gab es kaum noch Fortschritte und zum Ende des 18. Jh. ging der Atem der Geschichte über dem oberen Schloss aus.
 
Konrad Velten


 


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